2016 – Ghetto Radio (Arbeitstitel)

Ghetto Radio

Korogocho, ein Slum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Ein grau-braunes Meer aus Wellblech und Beton. Kinder spielen an offenen Abwasserkanälen. Im Hintergrund die Rauchschwaden der schwelenden städtischen Müllhalde. Von den belebten Marktständen, Friseursalons und den vorbeiknatternden Motorradtaxis dröhnt, Koch FM, das erste Slum-Radio Ostafrikas, und berichtet über das Tagesgeschehen. Darunter wieder Berichte von den Verbrechen der letzten Nacht.

Unter dem Motto Edutainment  – Education through Entertainment – werden auf einem Klangteppich aus afrikanischen Rhythmen täglich die lokalen  Nachrichten zu den Menschen getragen. Koch FM hat sich gegen viele Widerstände etabliert und ist heute eine Art Sprachrohr der Armen, Plattform für den Austausch von Informationen aber auch Treffpunkt kreativer junger Leute.

2012 wurde Nyash, einer der Gründer der Radioinitiative, ermordet. Bis heute sind Motiv und Täter unbekannt, was eine Projektionsfläche für zahlreiche Spekulationen darstellt. reserve.steven in straat

Der Film erzählt die Geschichte des Slum-Radios und seines charismatischen Gründungsmitglieds Nyash. Seine Ideen von Selbstverwaltung und Mitbestimmung der Menschen im Ghetto werden im Film wieder lebendig und stellen Ansatzpunkte für hoffnungsvolle zukunftsweisende Projekte in Korogocho dar, einem Ort von dem außerhalb nur schlechte Nachrichten ankommen: Doch Koch FM sendet beständig weiter und schafft jenseits der globalen Informationsflut eine Öffentlichkeit für die alltäglichen Sorgen und Nöte der Menschen. Ein Film, der ohne zu idealisieren die harten Realitäten im Slum darstellt, jedoch am Beispiel der Geschichten von Radiogründer Nyash und seinen Mitstreitern zeigt: Trotz aller Widerstände, trotz krimineller Strukturen, unvorstellbarer Armut und Ellenbogenmentalität gelingt es den Protagonisten durch Überzeugung und Ausdauer das Zusammenleben in einem der konfliktträchtigsten Ghettos Ostafrikas ein kleines Stück zum Positiven zu verändern.

© Marcel Klapp, 2013

© Marcel Klapp, 2013

Kommentare sind deaktiviert.